Earned Media und KI-Sichtbarkeit: Welche Berichterstattung wird zitiert?
Was die Zitationsforschung über die Quellen hinter KI-Antworten zeigt, warum die Schlagzeilenzahl genau gelesen werden muss und wie sich Coverage mit gemessener Sichtbarkeit verbinden lässt.
Sascha KirsteinIn diesem Artikel
Wenn Entscheider ChatGPT nach den besten Anbietern einer Kategorie fragen, stützt sich die Antwort häufig auf externe Quellen. Redaktionelle Berichterstattung, Analysten-Erwähnungen und Fachmedien können deshalb mitprägen, wie KI-Assistenten eine Marke beschreiben und ob sie sie empfehlen.
Dieser Leitfaden zeigt, was die verfügbare Zitationsforschung tatsächlich misst, welche Eigenschaften von Coverage die Daten stützen und wie ihr Medienarbeit mit einer belastbaren Sichtbarkeitsmessung verbindet.
Was die Zitationsdaten zeigen
Die Studie What Is AI Reading? von Muck Rack hat mehr als 25 Millionen Links ausgewertet, die in Antworten von ChatGPT, Claude und Gemini zitiert wurden, verteilt auf 17 Branchen. Die Ausgabe vom Mai 2026 berichtet, dass Earned Media 84% der zitierten Quellen ausmacht, während bezahlte und advertoriale Inhalte auf 0,3% kommen. Über drei Ausgaben von Juli 2025 bis Mai 2026 lag der Earned-Anteil zwischen 82% und 89%.
Diese Schlagzeilenzahl braucht eine genaue Lesart, bevor sie in eine Managementpräsentation wandert.
"Earned Media" bezeichnet in dieser Studie alles, was weder bezahlt noch markeneigen ist. Dazu zählen Wikipedia, Reddit, PubMed Central und Community-Foren neben der Berichterstattung. Auf Journalismus im engeren Sinn entfallen 27% der zitierten Quellen, über die drei Ausgaben stabil zwischen 25% und 27%.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil beide Zahlen unterschiedliche Entscheidungen stützen. 84% besagt, dass KI-Antworten sich auf Drittmaterial statt auf markeneigene Seiten stützen. 27% ist der Anteil, um den Medienarbeit tatsächlich konkurriert. Wer die erste Zahl zitiert und mit der zweiten plant, macht aus einem echten Befund eine falsche Prognose.
Welche Coverage die Daten mit Zitationen verbinden
Vier Befunde derselben Studie beschreiben, wo sich journalistische Zitationen konzentrieren.
| Befund | Was er nahelegt |
|---|---|
| Fragen nach Branchentrends zitieren Journalismus mehr als doppelt so oft wie How-to-Fragen | Der Fragetyp entscheidet, ob Berichterstattung überhaupt mitspielt |
| Pressemitteilungen erscheinen in Trendantworten 3,5-mal häufiger als in "Best of"-Antworten | Ankündigungsmaterial und Empfehlungsfragen sind verschiedene Spiele |
| Journalistische Zitationen verteilen sich auf mehr als 20.000 Medien | Zitation konzentriert sich nicht auf eine kurze Liste nationaler Titel |
| Axios ist das einzige Medium in den Top drei eines Anbieters, in 13 von 17 Branchen | Selbst das stärkste Einzelmedium dominiert den Quellenmix nicht |
Die letzten beiden Befunde gehören zusammen gelesen. Eine Verteilung auf 20.000 Medien bei fast keinem journalistischen Titel in den Top drei eines Anbieters spricht dafür, dass breite, relevante und aktuelle Berichterstattung mehr zählt als eine einzelne Leitmedium-Platzierung.
Die Studie misst, welche Quellen zitiert wurden. Sie prüft nicht, warum. Die folgenden Eigenschaften sind eine plausible Ableitung aus diesen Daten und aus dem, was Suchanbieter zum Retrieval dokumentieren, keine Befunde der Untersuchung:
- Berichterstattung in Publikationen, die ihr Thema unabhängig einordnen;
- aktuelles Material, weil KI-Systeme Quellen bevorzugen, die sie als gegenwärtig zutreffend behandeln können;
- konkrete, überprüfbare Fakten, die eine Passage direkt stützen kann;
- konsistente Namen über Medien hinweg, damit eine Marke eindeutig zuzuordnen ist.
Die Hinweise von Google passen dazu. Es gibt kein spezielles Markup, das eine Aufnahme garantiert, und auch erfüllte technische Anforderungen garantieren nicht, dass eine Seite gecrawlt, indexiert oder ausgeliefert wird.
Erwähnung und Zitation sind zwei Messgrößen
Eine Erwähnung bedeutet, dass die Marke im Antworttext vorkommt. Eine Zitation weist die Quelle aus, die der Anbieter neben der Aussage anzeigt.
Eine Marke kann empfohlen werden, ohne dass eine ihrer Seiten zitiert wird. Umgekehrt kann eine Seite in einer Antwort zitiert werden, die die Marke nie nennt. Erfasst beides getrennt, denn die Größen beantworten verschiedene Fragen, und wer die eine verbessert, bewegt die andere nicht automatisch.
Anbieterunterschiede verändern, was "sichtbar" bedeutet
Das Zitationsverhalten ist nicht einheitlich. Eine Prüfung auf nur einer Plattform verzeichnet deshalb das Bild.
| Anbieter | Zeigt Quellen an | Zitationen im Schnitt, wenn zitiert wird |
|---|---|---|
| ChatGPT | in 96% der Antworten | 5 |
| Gemini | in 82% der Antworten | 8 |
| Claude | in 55% der Antworten | 13 |
Auch die Quellenpräferenzen unterscheiden sich. Die Studie sieht ChatGPT stark auf Wikipedia gestützt, Claude auf PubMed Central und Gemini auf Reddit. Eine Marke kann in einem Produkt gut zitiert wirken und in einem anderen fehlen, ohne dass sich auf der eigenen Website etwas geändert hat. Deshalb gehört der Anbieter in die Definition der Stichprobe und nicht in eine Fußnote.
Von Berichterstattung zu einer messbaren Verbindung
Die Erhebungsmethode ist dieselbe, die jede AI-Visibility-Messung braucht. Was ist AI Visibility? beschreibt sie vollständig: ein festes Prompt-Set aus echten Stakeholder-Fragen, mehrere Anbieter, wiederholte Läufe, schriftliche Codierregeln und ein stabiles Wettbewerber-Set.
Ein Schritt gehört speziell zur Medienarbeit. Sobald die Antworten gespeichert sind, gleicht die zitierten URLs mit der eigenen Clipping-Übersicht ab. Dieser Abgleich trennt Platzierungen, die Leser erreicht haben, von Platzierungen, die zusätzlich Antworten speisen. Er ist der einzige Teil des Ablaufs, der eine Medienplanung mit einer Zitation verbindet.
Rechnet damit, dass der Abgleich unvollständig bleibt. Syndizierte Kopien, Aggregatoren und Bezahlartikel erschweren die Zuordnung, und eine zitierte Seite kann eine Aussage tragen, die niemand im Team platziert hat.
Nennt zu jedem Prozentwert Anbieter, Prompt-Set, Markt, Sprache, Zeitraum und Wettbewerber-Set. Die AMEC GEO Principles empfehlen einen kontrollierten Fragenkatalog, wiederholte Tests mit offengelegter Schwankung und eine klare Trennung von Sichtbarkeit, Outcomes und Impact. Sie halten außerdem fest, dass kein einzelner Score, kein Tool und kein Prompt-Set die gesamte KI-Sichtbarkeit belegt.
Die Verbindung ehrlich lesen
Zitationsforschung beschreibt eine große Stichprobe beobachteter Antworten. Sie belegt nicht, dass ein bestimmtes Clipping eine bestimmte Zitation verursacht hat, und sie zeigt nicht, ob jemand die Antwort gelesen, geglaubt oder danach gehandelt hat. Ein Abgleich der eigenen Coverage mit zitierten URLs zeigt eine Entsprechung. Für die Planung ist das nützlich, als Kausalbeleg bleibt es schwach.
Die Barcelona Principles 4.0 verlangen gültige Kennzahlen und eine getrennte Berichterstattung von Outputs, Outcomes und Impact. Eine Zitationszahl ist ein Output.
Haltet die Aussage im Verhältnis zur Evidenz. Earned Media liefert erkennbar den Großteil des Materials hinter KI-Antworten, und Journalismus liefert davon einen bedeutenden und stabilen Anteil. Das rechtfertigt, die Verbindung zu messen. Es rechtfertigt nicht, einer Zitationszahl Umsatz zuzurechnen.
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