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Was ist der Werbeäquivalenzwert, AVE?

Wie AVE berechnet wird, warum Messstandards die Kennzahl als Wert- oder ROI-Nachweis ablehnen und wie sich ein Werbekostenäquivalent ehrlich ausweisen lässt.

Sascha KirsteinSascha Kirstein
In diesem Artikel

Der Werbeäquivalenzwert, international Advertising Value Equivalency oder AVE genannt, schätzt die Kosten für Werbefläche oder Werbezeit, die dem Umfang einer redaktionellen Berichterstattung entsprechen.

AVE ist ein Näherungswert für Werbekosten. Die Kennzahl misst weder Kommunikationserfolg noch Zielgruppenreaktion, organisatorische Wirkung oder Kapitalrendite.

Die grundlegende AVE-Formel

Für Printberichterstattung gilt:

Print-AVE = belegte redaktionelle Fläche × Werbepreis für eine vergleichbare Fläche

Für TV oder Radio gilt:

Broadcast-AVE = redaktionelle Sendezeit × Werbepreis für eine vergleichbare Sendezeit

Eine Zeitung verlangt beispielsweise 20.000 Euro für eine ganzseitige Anzeige. Ein Artikel belegt eine halbe Seite. Der grundlegende AVE beträgt:

0,5 × 20.000 Euro = 10.000 Euro

Die Zahl bedeutet, dass eine vergleichbare Werbefläche nach dem gewählten Tarif 10.000 Euro gekostet hätte. Sie bedeutet nicht, dass der Artikel 10.000 Euro Wert geschaffen hat.

Warum AVE beliebt wurde

AVE verwandelt Berichterstattung in einen Geldbetrag, der sich leicht in einen Managementreport einfügt. Auch die Eingaben wirken überschaubar: Fläche oder Zeit messen, Werbepreis ermitteln und multiplizieren.

Diese Einfachheit ist attraktiv, wenn die Führungsebene eine monetäre Kennzahl verlangt. Genau darin liegt das Problem. Ein Werbepreis beantwortet, was Medieninventar kostet. PR-Evaluation untersucht, was Kommunikation bewirkt hat. Das sind unterschiedliche Fragen.

Warum Messstandards AVE ablehnen

Das Institute for Public Relations verabschiedete 2010 einen formalen Task-Force-Bericht gegen AVE. Die Barcelona Principles 4.0 lehnen die Kennzahl weiterhin als gültiges Maß für Kommunikationswert ab.

Dafür gibt es mehrere Gründe.

Werbung kauft Kontrolle über Wortlaut, Format, Platzierung, Zeitpunkt und Wiederholung. Earned Media bietet diese Kontrolle nicht. Ein journalistischer Beitrag kann eine Organisation loben, hinterfragen oder kritisieren. Wer beide Formate gleichsetzt, entfernt genau die Eigenschaften, die redaktionelle Berichterstattung besonders machen.

Ein Anzeigenpreis misst keine Zielgruppenwirkung

Eine Preisliste bewertet Fläche oder Zeit. Sie zeigt nicht, ob jemand die Berichterstattung wahrgenommen, eine Botschaft verstanden, eine Haltung geändert, eine Webseite besucht oder eine Handlung vorgenommen hat.

Negative Berichterstattung kann einen hohen AVE erzielen

Ein großer kritischer Artikel kann einen höheren AVE erhalten als eine kurze positive Meldung. Die Berechnung belohnt belegte Fläche, nicht Kommunikationsqualität.

Preislisten sind unsichere Eingaben

Veröffentlichte Listenpreise können von ausgehandelten Preisen abweichen. Digitale Formate besitzen nicht immer eine klar vergleichbare Einheit. Syndizierung und Zielgruppenüberschneidungen können dieselbe Exposition mehrfach zählen.

Warum AVE-Multiplikatoren nicht belastbar sind

Veröffentlichte AVE-Methoden haben Multiplikatoren von 2,5 bis 8,0 verwendet. Die Begründung lautet häufig, redaktionelle Berichterstattung sei glaubwürdiger als Werbung.

Der IPR-Leitfaden zur Kommunikationsmessung bezeichnet solche Multiplikatoren als ungültig. Es gibt keine allgemeine Evidenz dafür, dass jede redaktionelle Erwähnung ein festes Vielfaches des Werbewerts besitzt. Glaubwürdigkeit hängt von Quelle, Thema, Zielgruppe, Ton, Prominenz und Kontext ab.

Wenn eine Organisation aus Gründen der internen Vergleichbarkeit einen eigenen Multiplikator nutzt, sollte sie das Ergebnis als individuelle Schätzung kennzeichnen und die Annahme offenlegen. Auch dann wird AVE nicht zu Wirkung oder ROI.

AVE ist kein PR-ROI

Return on Investment setzt einen finanziellen Ertrag ins Verhältnis zur Investition:

ROI = zurechenbarer finanzieller Nettoertrag ÷ Kosten der Maßnahme × 100

AVE liefert weder einen finanziellen Ertrag noch eine Attribution. Die Kennzahl bewertet vergleichbares Werbeinventar. Ein anderes Etikett verändert die Evidenz nicht.

Hat eine Kampagne ein finanzielles Ziel, sollten Kommunikationsdaten mit qualifizierten Leads, Verkäufen, Spenden, Kosteneinsparungen oder einem anderen finanziellen Ergebnis verbunden werden. Dafür braucht es eine nachvollziehbare Beitrags- oder Attributionsmethode. Bei Zielen wie Bekanntheit, Vertrauen oder Verständnis ist Zielgruppenforschung geeigneter als eine erzwungene Umrechnung in Geld.

AVE, Medienwert und Kommunikationswert

Diese Begriffe werden häufig vermischt.

BegriffWas er beschreiben kannWas er nicht belegt
AVEGeschätzte Werbekosten für vergleichbare Fläche oder ZeitErfolg, Outcome, Impact oder ROI
MedienwertMonetäre Expositionsschätzung eines Produkts oder AnbietersEinen universellen Standard oder Geschäftswert
KommunikationswertBeitrag zum festgelegten ZielEine automatische Formel für jedes Ziel
ROIFinanzieller Ertrag im Verhältnis zur InvestitionNichtfinanzielle Outcomes ohne monetäres Modell

Die Bezeichnung "Medienwert" garantiert nicht, dass zwei Tools gleich rechnen. Ein Anbieter kann Preise für Werbefläche nutzen, ein anderer Impressionen und CPM und ein dritter ein eigenes Modell. Vergleicht die Werte erst nach Prüfung der Methode.

Wie sich aclipp Medienwert unterscheidet

Der aclipp Medienwert ist eine Schätzung werbeäquivalenter Exposition. Wenn ein Wert manuell oder durch eine Integration geliefert wird, übernimmt aclipp ihn. Andernfalls kann das Produkt mit verfügbaren Kanaldaten und kanalspezifischen Koeffizienten einen Wert schätzen.

Je nach Kanal können Views, Reichweite, Downloads, Opens, Engagement, Monthly Unique Visitors oder der Seitenpreis eines Printmediums einfließen. Die Koeffizienten sind Produktannahmen von aclipp. Sie sind keine Standards von AMEC oder IPR und können bei einer Überarbeitung des Modells verändert werden.

Der Medienwert kann als konsistente Referenz dienen, wenn Stakeholder einen monetären Näherungswert verlangen. Er belegt weder Kommunikationserfolg noch Zielgruppenreaktion, organisatorische Wirkung oder ROI. Das genaue Produktverhalten beschreibt die Help-Center-Seite zum Medienwert.

Wenn ein monetärer Näherungswert weiterhin verlangt wird

Manche Organisationen können AVE nicht sofort entfernen, weil Verträge, Beschaffungsprozesse oder historische Reports die Kennzahl verlangen. Dann sollte der Report:

  1. den Wert als Schätzung vergleichbarer Werbekosten bezeichnen;
  2. Quelle des Preises und Berechnung von Fläche oder Zeit nennen;
  3. unbelegte Multiplikatoren entfernen;
  4. positive, neutrale und negative Berichterstattung getrennt zeigen;
  5. den Wert neben Output-Qualität und echten Outcome-Kennzahlen ausweisen;
  6. inkompatible Kanäle nur mit offengelegter Methode vergleichen.

Das macht AVE nicht zu einem gültigen Wirkungsmaß. Es legt die Grenze offen, während das Reporting auf Evidenz passend zu den Kommunikationszielen umgestellt wird.

Was statt AVE gemessen werden sollte

Es gibt keinen einzelnen Ersatzwert. Wählt Evidenz passend zum Kommunikationsziel.

Für Medien-Outputs eignen sich bereinigtes Berichterstattungsvolumen, relevante Reichweite, Share of Voice, Sentiment, Prominenz und Key Message Pull-through.

Für Effekte auf Zielgruppen sollten Aufmerksamkeit, Erinnerung, Verständnis, Vertrauen, Präferenz oder Verhaltensabsicht mit geeigneter Forschung gemessen werden. Organisatorische Wirkung lässt sich über Ergebnisse wie Bewerbungen, Umsatz, Spenden, politische Veränderungen oder Bindung untersuchen. Dafür braucht es eine offengelegte Methode.

Unser Leitfaden zu PR-Kennzahlen zeigt, wie Outputs, Outtakes, Outcomes und Impact zusammenhängen.

Sascha Kirstein

Autor

Sascha Kirstein

CEO & Founder, aclipp

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